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Streik in Budryk - So kämpfen Arbeiter in Polen

Videos vom Streik der ZZ Kadra und Sierpień 80 in der Steinkohlezeche Budryk im oberschlesischen Ornontowice... dagegen sind deutsche Gewerkschafter nur aufgeweichtes Müsli. Die Bergleute verdienen Brutto ca. 4000 PLN (1100 EUR). Sie streiken gegen die Übernahme des staatlichen Betriebes durch die private Jastrzębska Spółka Węglowa S.A. (Jastrzebie Kohlegesellschaft AG). Die Streikenden fordern bei der Übernahme und der Integration der Zeche in den Strukturen der Kohlegesellschaft die Angleichung der Löhne an das dortige Lohn-Niveau. Die Firmenleitung will dagegen, dass die Löhne bis zum Jahr 2011 um 200 EUR niedriger sind.

Die Belegschaft besetzt das Gebäude der Firmenleitung. Die Menge ruft "auf den Schubkarren!".

verschönert die Wände mit Graffitis gegen den Direktor des Bergwerkes Piotr Bojarski ("Bojar du Ratte - Bist kein Zar - Fort aus Budryk")

nach einer kurzen musikalischen Einstimmung ... gehen sie zum Chef auf's Büro und ziehen ihm die Krücke blank. Piotr Bojarski, Direktor der Firma wird traditionell auf einer "taczka" (Schubkarren) aus dem Betrieb geleitet... um ihn daran zu erinnern wer hier den Mehrwert produziert... Mittlerweile ist Bojarski auch offiziel von der Jastrzębska Spółka Węglowa S.A. abgesetzt. Bei seinem erscheinen ruft die Menge" ty gnoju" ("du Schweinehund").

Treffen mit den Familien der Streikenden und Ansprache von Bogusław Ziętek, Vorsitzender der Gewerkschaft WZZ Sierpień 80

Michal Stachura | 10.01.08 11:13 | Permalink

Kommentare

Tolle Aufnahmen!
Besonders die Szene auf dem Gang vor dem Direktorenzimmer: Das die Berg-Arbeiter den Direktor nicht gleich herausholen, sondern erstmal die eigene Kraft genießen wollen!

Was aber erzählt Bogusław Ziętek, der Vorsitzende der Gewerkschaft WZZ Sierpień 80?

Ich spreche kein Polnisch. Vielleicht ist ein Nachtrag möglich?
Gruß! Peter

Verfasst von: peter ustinow | 10.01.08 18:54

Zietek erklärt, dass der ehemalige Direktor des Bergwerkes Bojarski in einem Fernsehinterview meinte, dass er sich keine Sorgen über die Ausfälle während des Streiks macht. Dies sei ein Indiz - so Zietek- das von Anfang an die Direktion auf Eskalation aus war und damit auch zugegeben hat, dass der Betrieb genügend Rücklagen besitzt, um den Bergarbeitern den Lohnunterschied, der bei der Übernahme durch die private Kohlegewerkschaft entsteht, auch auszubezahlen.

Somit auch der ganze Konflikt vermeidbar gewesen wäre... wenn die Direktion die Früchte der Arbeit der Belegschaft angemessen geteilt hätte.

Außerdem noch etwas von Solidarität und den anderen Gewerkschaften, wie Solidarnosc, die sich nicht am Streik beteiligten und verantwortlich waren für das Aushandeln der schlechten Konditionen bei der Übernahme.

So wie die Verhandlungen gestern gelaufen sind, sieht es aus dass der Streik unter Tage beendet wurde vorerst. Über Tage jedoch weiter geht und die meisten Forderungen der Streikenden erfüllt werden. Fazit: wenn sich genügend Leute zusammenfinden und bereit sind für einen Arbeitskampf… dann muss dieser nicht wie in Deutschland immer mit einer Niederlage enden … und mit fetten Schweigegeldern für die Bonzen der IG Metall einhergehen.

Verfasst von: Maus | 11.01.08 16:19

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