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Deutschlands Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde und die Beziehungen zwischen Ehefrau und Ehemann

Körperliche Züchtigung der Frau erlaubt
--von Klaus Hart--
Auf der Website der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Deutschland, die in Berlin-Heinersdorf eine Moschee errichten will, erfährt man viele interessante soziokulturelle Dinge. Unter der Überschrift "Die Beziehungen zwischen Ehefrau und Ehemann" ist zu lesen:
"Zum Thema der körperlichen Züchtigung von Frauen durch ihre Ehemänner sagte Hazur, daß Männer stark erschaffen worden sind, um für ihre Familien zu sorgen. Falls die Ehefrau sich rebellisch aufführt, ist der Mann dazu aufgefordert, zunächst einen freundlichen Rat zu geben. Falls dies nicht hilft, soll er sich von ihrem Bett fernhalten, und falls alles nichts hilft, darf er leichte körperliche Strafe anwenden, doch darf dies nicht als ein Freibrief darüber angesehen werden, den Frauen körperliche Strafen zuzufügen."
In vierhundert deutschen Frauenhäusern suchen jährlich gemäß Studien etwa 40000 mißhandelte Frauen Zuflucht. Bemerkenswert ist, daß trotz des relativ geringen Ausländeranteils in Deutschland unter diesen Frauen bis zur Hälfte Migrantinnen sind.
Die norwegische Journalistin Asne Seierstad, Autorin des Bestsellers "Der Buchhändler aus Kabul", verfügt im Unterschied zu vielen Europäern über eigene Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Alltagsleben islamischer Länder. Seierstad wurde daher zu einer scharfen Kritikerin der Frauenunterdrückung in islamischen Gesellschaften. In Interviews sagte sie, Frauen würden von moslemischen Männern als Objekte betrachtet. Befragt zu Ideen des Kulturrelativismus, stellte die Islamkennerin klar:"Ich glaube an die universelle Deklaration der Menschenrechte, der zufolge alle gleiche Rechte haben. Der Kulturrelativismus rechtfertigt inakzeptable Sitten und Gebräuche der islamischen Gesellschaften. In Familien, in denen Macht und Entscheidungsgewalt über die Frauen in der Hand eines einzigen Mannes liegen, kommt es zu sehr viel Übergriffen und Mißbrauch. Psychologische Aggressionen sind nicht zu verhindern und körperliche Züchtigungen häufig. Man kann doch nicht sagen, daß moslemische Frauen nicht leiden, nur weil weibliche Unterwerfung Teil von deren Kultur ist." Ein Schlag ins Gesicht sei für jede Frau schmerzhaft, unabhängig davon, ob sie aus Norwegen sei oder aus einem islamischen Land wie Afghanistan. " Es gibt Leute, die mich kritisieren - sie sagen, man könne eine islamische Gesellschaft der Dritten Welt doch nicht auf der Basis von europäischen Werten und Maßstäben beurteilen. Das gehört zu den stupidesten Dingen, die ich je in meinem Leben gehört habe. Kritik führt dazu, daß die Gesellschaften sich entwickeln. Die Moslems beurteilen uns auch."
Auch in Deutschland haben rechtsextreme machistische Rassisten, von denen sich manche kurioserweise als "Progressive" ausgeben, lange Zeit höhnisch zugesehen, wie Frauen islamischer Familien brutal mißhandelt, inmitten der deutschen Gesellschaft ihrer Menschenwürde beraubt worden sind. Daß in den deutschen Frauenhäusern bis zur Hälfte der Zuflucht Suchenden Migrantinnen sind, dabei nur die Spitze des Eisbergs sichtbar wird, spielten diese Pseudo-"Progressiven" stets zynisch herunter. Solche "Toleranz" gegenüber entsprechenden Straftaten wurde nicht selten sogar noch mit "politisch korrekten" Argumenten entschuldigt. Obwohl bekannt ist, daß lediglich kultursoziologisch bestens untersuchte brutale Praktiken aus extrem machistischen Ländern nach Deutschland importiert wurden, um sie mit Rückenwind einer bestimmten Szene, bestimmten Politikern in die Gesellschaft tief einzupflanzen. Das hat bisher recht gut funktioniert. Doch inzwischen werden derartige Menschenrechtsprobleme, darunter die auch von Asne Seierstad angesprochene brutale Frauenunterdrückung, zu der selbst Ehrenmorde gehören, zumindest begrenzt öffentlich diskutiert.

URL: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/dokumentation/?em_cnt=999893

Es kann keine islamischen Menschenrechte geben

Menschenrechte sind universal. Sie lassen sich durch nichts einschränken. Deswegen kann es keine spezielle islamische Interpretation geben. Denn diese Religion ordnet alles der Scharia, der Rechtslehre des Islam, unter und setzt somit die Universalität der Menschenrechte außer Kraft.

Mich interessiert jetzt nicht die außerordentlich spirituelle Theologie des Islam, sein radikaler Monotheismus mit der reinsten Transzendenz: ohne Trinität, ohne Opfertod, ohne Heilige. Das bewundere ich; und es fasziniert mich. Aber genau darum geht es nicht. Sondern es geht um die Juridifizierung der sozialen und politischen Ordnung, um die Scharia.

Dass die Scharia selber historischen Modifikationen unterliegt, ist selbstverständlich. Aber die vier islamischen Rechtsschulen selber bezeichnen diese Ordnung als Scharia, als göttliche Ordnung, von Menschen ausgelegt. Dass die Auslegungen sich verändern, ist eine banale Einsicht. Entscheidend ist die Konstanz der Tradition um wichtige Kernpunkte, eine Tradition die aufrechterhalten wird durch das, was Jan Assmann die Textpflege im kulturellen Gedächtnis nennt. Es geht mir auch nicht um die Scharia insgesamt, sondern um zwei Dinge: 1. den Auftrag, Krieg gegen die Ungläubigen zu führen, bis die ganze Welt unter islamischer Herrschaft steht, dieser Krieg heißt Dschihad, 2. um die Dhimmitude, das ist der französische Begriff für den Status der Nicht-Muslime unter muslimischer Herrschaft.

Seit Beginn der klassischen Zeit (9. bis 11. Jahrhundert) teilen die muslimischen Juristen die Welt in zwei Teile, nämlich das "Haus des Islam" und das "Haus des Krieges". (…) Diese Zweiteilung hängt nicht davon ab, wo Muslime in großer Anzahl sind oder gar die Mehrheit darstellen, sondern davon, wo der Islam herrscht - in Gestalt der Scharia - oder wo er nicht herrscht. Diese Dichotomie ist also keine religiöse, sondern eine politische. Zwischen diesen beiden Teilen der Welt herrscht naturgemäß so lange Krieg, bis das Haus des Krieges nicht mehr existiert und der Islam über die Welt herrscht (Sure 8, 39 u. 9, 41). Daher besteht nach klassischer Lehre für die muslimische Weltgemeinschaft die Pflicht, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen bis diese sich bekehren oder sich unterwerfen. Dieser Krieg heißt Dschihad.

Die Gemeinschaft der Muslime (Umma) ist folglich eine politische Gemeinschaft; das heißt, in ihrem Inneren kann es keinen Krieg geben - ausgenommen dem gegen Rebellen und gegen Häresien. Einzig der Krieg zur Unterwerfung der Ungläubigen ist legitim gewesen und obendrein Pflicht. (…) Ist es eine individuelle Pflicht oder eine kollektive? Wenn es eine kollektive Pflicht ist, dann muss die muslimische Gemeinschaft in regelmäßigen Abständen Angriffskriege gegen die Ungläubigen führen. Wenn es eine individuelle Pflicht ist, dann müssen die Gläubigen auf eigene Faust Krieg gegen die Ungläubigen führen, falls die Emire zu lange Frieden mit dem Feind halten. Fatalerweise besteht darüber innerhalb der orthodoxen Tradition seit dem 9. Jahrhundert keine Einigkeit. Viele Rechtsgelehrte definieren den Dschihad als individuelle Pflicht jedes tauglichen Muslim. Konsequenz dieser Lehre: wenn jeder einzelne Muslim alleine oder gruppenweise auf eigene Faust kriegerisch agieren muss, dann sind Attentate und Terroranschläge das Richtige. Al Qaida ist keine Verirrung, sondern entspricht dieser Traditionslinie. (…) Wer das abstreitet, kennt seine eigene Geschichte nicht. (…)

Der Kriegszustand dauert an, bis das Haus des Krieges vernichtet und die Welt erobert ist. Folglich sind Angriffskriege selbstverständlich und theologisch gerechtfertigt gewesen. (…) Friedensverträge, welche islamische Herrscher mit nicht-islamischen abschlossen, gelten nur als Waffenstillstände; deshalb wurden sie in der Regel für höchstens zehn Jahre abgeschlossen; zwei Rechtsschulen erlaubten nur drei bis vier Jahre Frieden. Die kurzen Fristen ermöglichten es den militärisch überlegenen Muslimen die Gegenseite unentwegt zu erpressen; auf diese Weise sind im Laufe der Jahrhunderte riesige Mengen an Geldern und Menschen an die muslimische Seite geflossen. Als sich die Kräfteverhältnisse verschoben, mussten muslimische Herrscher die Praxis ändern. So schloss 1535 Suleiman der Prächtige mit dem französischen König einen Frieden, der so lange gelten sollte, wie der Sultan lebte - ein Bruch mit der Tradition. (…)

Der Autor

Egon Flaig lehrt Altertums- wissenschaften an der Universität Greifswald. Er beschreibt sich selbst als "weit entfernt von der traditionellen deutschen Althistorie". Er forscht interdisziplinär und orientiert sein Instrumentarium an dem des Soziologen Pierre Bourdieu.

Die in Auszügen dokumentierte Rede hielt Flaig am vergangenen Samstag auf den 34. Römerberggesprächen (Thema: Die Geltung der Menschenrechte.) ber
Immer wieder wird bestritten, dass der Dschihad heute noch aktuell sei. Doch Peters kam in seiner großen Studie zum Ergebnis, dass auch im 19. und 20. Jahrhundert sehr viele Rechtsgelehrte der klassischen Doktrin anhängen. Er schreibt in seinem Buch "Islam and Colonialism": "Modernistische Autoren unterstreichen den defensiven Aspekt des Dschihad und betonen, Dschihad außerhalb des islamischen Territoriums sei nur gestattet, wenn die friedliche Verbreitung des Islam behindert wird oder wenn Muslime, die unter Ungläubigen leben, unterdrückt werden. Demgegenüber weichen fundamentalistische Autoren kaum von der klassischen Doktrin ab und betonen den expanionistischen Aspekt."

Der Haken dabei ist: die Modernisten vertreten in der Konsequenz genau dieselbe Lehre wie die Fundamentalisten. Denn der Dschihad ist ja berechtigt, wenn Muslime unterdrückt werden. Und ob Muslime unterdrückt werden, wer entscheidet das? Das entscheiden nicht die Gerichte in den säkularen Verfassungen, das entscheiden nicht die Menschenrechte. Das entscheiden die Normen der Scharia. (…)
Die dritte Islamische Gipfelkonferenz von 1981 bekräftigte in ihrer 5. Resolution die Gültigkeit der Dschihad-Doktrin für die Gegenwart: "Die islamischen Länder haben in ihrer Resolution klargestellt, dass das Wort Dschihad in seinem islamischen Sinn gebraucht wird, der keine Interpretation oder Missverständnis zulässt, und dass die praktischen Maßnahmen zu seiner Erfüllung zu ergreifen sind in Übereinstimmung damit und in ständiger Konsulation zwischen den islamischen Ländern." Das sagten nicht ein paar Spinner. Das sagten offizielle Vertreter von Staaten. Das war 20 Jahre vor dem 11. September 2001. Wenn das Leugnen aufhört, beginnt die Selbstbesinnung. Wir dürfen gespannt sein, wie diese Vergangenheitsbewältigung aussieht.

Der Dschihad führt zur Konversion, zur Tötung, zur Versklavung oder zur Dhimmitude. Was ist das? In der Scharia sind die Muslime die Herren, die Anhänger anderer Buchreligionen (Christen, Juden, Parsen) die Unterworfenen (Dhimmi); dabei handelte es sich in der klassischen Zeit des Islam nicht um religiöse Minderheiten, sondern gewaltige Mehrheiten, vor allem in Syrien, Anatolien, Nordafrika (Christen):

Die Unterworfenen durften keine Waffen tragen, sie waren wehrunfähig, somit keine vollwertigen Männer; ihre Schuhe und ihre Kleider mussten speziell geschnitten sein, um sie kenntlich und lächerlich zu machen; Christen und Juden mussten besondere Farbmerkmale tragen (aus dieser Diskriminierung entstand der Judenstern). Ihre Häuser mussten niedriger sein, ihre Türschwellen abgesenkt. Sie durften nicht auf Pferden reiten, sondern nur auf Eseln, damit sie ständig an ihre Erniedrigung erinnert wurden. Sie zahlten einen besonderen Tribut, den sie persönlich entrichten mussten, wobei sie einen Schlag an den Kopf erhielten. Sie mussten vor Muslimen den Kopf senken und auf der linken Seite gehen. Sie mussten sich von Muslimen schlagen lassen ohne sich wehren zu dürfen; schlug ein Dhimmi zurück, dann wurde ihm die Hand abgehackt oder er wurde hingerichtet. Die Zeugenaussage eines Dhimmi galt nicht gegen Muslime. Muslime brauchten für Vergehen an einem Dhimmi nur halbe Strafe zu tragen; und wegen eines Dhimmi konnten sie nie hingerichtet werden; umgekehrt waren grausamste Hinrichtungsarten überwiegend den Dhimmi vorbehalten.

Die Dhimmitude ist kein Nebenprodukt der islamischen Eroberungen, sondern ein offen verkündigtes Ziel des Dschihad selber. Die Dhimmitude versetzte die Nicht-Muslime in eine radikale Alterität: Die Menschen in diesem Zustand als "Bürger zweiter Klasse" zu bezeichnen ist Schönrednerei. (…) Islamische Toleranz hieß: Duldung der Unterworfenen als Gedemütigte und Erniedrigte.

Sprechen wir von der Diskriminierung der Juden? 400 Jahre nach dem Islam schritt die Westkirche auf dem IV. Laterankonzil 1215 zu Maßnahmen, die uns barbarisch anmuten. Aber sie waren weitgehend eine Kopie der muslimischen Diskriminierungen. Mit einem Unterschied: wenn man die rechtlichen Bestimmungen vergleicht, dann ging die Entrechtung und Erniedrigung der Juden im Spätmittelalter nicht so weit wie in der Dhimmitude. (…)

Kenner der Materie wissen das schon seit langem. Und die Leugner kommen immer mehr unter Druck und müssen ganze Forschungen diffamieren. Das passiert immer, wenn Durchbrüche in der Forschung sich anbahnen und wenn Paradigmenwechsel sich vollziehen. Das neue Paradigma könnte lauten: die rechtlich fixierte Unterdrückung Andersgläubiger - ausgenommen die Häresien - war unter dem Halbmond deutliche schwerer als unter dem Kreuz. (…)

Als Unterdrückungszustand hielt sich die Dhimmitude mehr als tausend Jahre lang, bis der Druck der europäischen Mächte auf das osmanische Reich und schließlich die direkte Besetzung osmanischer Gebiete zu einer allmählichen Abmilderung der Dhimmitude führte. Die islamischen Gesellschaften haben die Dhimmitude nicht freiwillig abgeschafft, ebenso wenig wie die Sklaverei. Sie sind dazu gezwungen worden vom europäischen Imperialismus. (…)

Die Scharia beinhaltet die Dhimmitude. Egal wie abgemildert die Scharia hier und dort ist: sie ist auf radikalste Weise anti-demokratisch und anti-menschenrechtlich. Die Dhimmitude lebt wieder auf. Islamische Länder haben als letzte die Sklaverei abgeschafft; und einige von ihnen führen sie seit 15 Jahren wieder ein, so im Sudan. Die Scharia lässt das zu; sie ist eine parafaschistische Ordnung. (…) Der Scharia-Islam ist einer der schlimmeren Feinde von Menschenrechten und Demokratie.

Viele Muslime leugnen die Dhimmitude. Aber es nützt genauso wenig etwas, wie den Genozid an den Armeniern zu leugnen oder den Genozid an den Juden. Die Leugnung selber muss jeden aufmerken lassen, dem die Menschenrechte heilig sind. Denn wer leugnet, ist unfähig zu erkennen, wer er kulturell ist und wie er geschichtlich dazu wurde. Unter der Maske des Antiimperialismus beschuldigen Muslime und islamophile Intellektuelle den Westen.

Der Unterschied ist freilich, dass der Westen von Anfang an, seit dem 16. Jahrhundert seine eigene Selbstkritik leistete und darum zu den Menschenrechten gelangte. Und eben diese kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte wird durch Leugnungen über die islamische Geschichte systematisch behindert. Wer die historische Wahrheit einfordert, wird als Kulturkrieger bezeichnet. Genau umgekehrt verhält es sich, Kulturkrieg führt, wer leugnet und wer Leugnungen mit Tabus und Sprechverboten zu sichern versucht. Wir erleben im Moment genau das. Wenn eine Seite diesen Krieg eröffnet, dann kann die andere Seite diesem Krieg nur ausweichen, indem sie einfach kapituliert. Wollen die europäischen Intellektuellen diese Kapitulation?

Im August 1990 verabschiedeten die Außenminister der "Organisation der islamischen Konferenz" in Kairo einen Entwurf einer "Erklärung der Menschenrecht im Islam". Die Erklärung (…) steht unter dem Vorbehalt, dass sie mit der Scharia übereinstimmen müssen. Der Artikel 24 lautet: "Alle Rechten und Freiheiten, die in dieser Erklärung genannt werden, unterstehen der islamischen Scharia." Und im Artikel 25 liest man: "Die islamische Scharia ist die einzige zuständige Quelle für die Auslegung oder Erklärung jedes einzelnen Artikels dieser Erklärung.". Wenn die Scharia den Menschenrechten übergeordnet ist, dann gibt es eben keine Menschenrechte, dann gilt eben die Scharia. Stellen Sie sich vor, Franco, Hitler oder Stalin hätten die Menschenrechte ausgerufen; und Stalin hätte hinzugefügt: Alle diese Rechte unterstehen der kommunistischen Idee; und Hitler hätte hinzugefügt: Sie unterstehen der nationalsozialistischen Ordnung. Solche Menschenrecht sind keinen Pfifferling wert, weil die Verfasser sie im Prinzip leugnen. Anders gesagt: sie leugnen genau den Anspruch auf universale Menschenrechte, die von keiner Ordnung außer Kraft gesetzt werden dürfen.

In einer Diskussion berief sich in den 90er Jahren ein iranischer Ayatollah auf die Kairoer Erklärung, um die Ungleichheit zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zu rechtfertigen: er argumentierte, die Menschen sind in ihrer Würde nur potentiell gleich, aktuell jedoch nach Graden der Tugend und der Rechtgläubigkeit verschieden. Da liegt der Hase im Pfeffer. Es gibt also keine Menschenrechte. Und es wird sie auch niemals als islamische Menschenrechte geben. Weil es absurd ist, nach islamischen Menschenrechten zu suchen. Menschenrechte sind weder christlich, noch europäisch, noch islamisch. Sie sind entweder universal oder sie sind nicht.


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Dokument erstellt am 29.10.2006 um 16:40:13 Uhr
Letzte Änderung am 29.10.2006 um 17:24:41 Uhr
Erscheinungsdatum 30.10.2006

Zur Diskussion:

Hurra, wir kapitulieren
Kampf der Zivilisationen
Für Henryk M. Broder war der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen ein Fanal; ein weiterer Beweis dafür, dass Europa eine Form der Appeasement-Politik betreibt: den Islam nur nicht herausfordern. Der Karikaturenstreit sei deshalb so bemerkenswert, meint Broder, weil hier zum ersten Mal Moslems die Bestrafung von Nicht-Moslems verlangten, die außerhalb der moslemischen Rechtssprechung leben. Dafür könne es nur eine Erklärung geben, so der Publizist, nämlich, dass die Moslems Europa bereits als Teil des islamischen Reiches betrachten.

Für Broder war ein Ereignis in diesem Zusammenhang besonders auffallend: Die schweizerische Firma Nestlé hatte in arabischen Zeitungen großflächige Anzeigen geschaltet und versichert, sie würde keine Produkte aus Dänemark verwenden. "Nicht nur mir klang das im Ohr wie 'Deutsche wehrt euch, kauft nicht bei Juden'", so Broder. Schwacher, dekadenter Westen
Broder geht es weniger darum, den Islam anzuklagen, ihn verwundert vielmehr, wie bereitwillig Europa - allen voran Deutschland - all das aufgibt, wofür es die letzten Jahrhunderte gekämpft hat: das Recht auf freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit, mit einem Wort die Errungenschaften der Aufklärung. Was wir heute erleben, meint Broder, sei kein Kampf der Kulturen, sondern ein Kampf der Zivilisationen.

Die islamischen Fundamentalisten halten den Westen für schwach, dekadent und nicht abwehrbereit. Und sie lägen damit vollkommen richtig, so Broder. Wem als Reaktion auf Geiselentführungen und Enthauptungen, auf Massaker und Ausbrüche kollektiver Hysterie nichts Besseres einfiele, als permanent von einem "friedlichen Dialog" zu träumen, wer in vorauseilendem Gehorsam fordere, christliche Kirchen in Europa in Moscheen umzuwidmen, und wer auf jeden Terroranschlag mit Selbstanklage reagiere, der sei wirklich schwach und dekadent. Falsches Verständnis
Immer wieder erklären Journalisten, Experten und andere Akteure der Öffentlichkeit, dass sich die Terroristen nicht anders artikulieren könnten, dass einem jungen Menschen gar nichts anderes übrig bliebe, als Flugzeuge ins Word Trade Center zu lenken oder sich selbst - und Hunderte andere - in die Luft zu sprengen. Und so verschwendet die westliche Zivilisation mehr Zeit und Kraft darauf, den Gegner zu analysieren und zu pardonieren, als ihm entgegen zu treten.

Die islamische Kultur ist eine Kultur der Ehre und der Schande, erklärt Broder: "Wenn die Ehre verletzt ist, kann man auch die eigene Schwester umbringen, um die Ehre zu retten und die Schande wieder auszuwetzen. Was wir machen, ist aber noch schlimmer: Wir infantilisieren diese Kultur. In der Tat behandeln wir diese Leute, die wirklich schwerste Verbrechen begehen, wie eine Bande von Lausbuben, die an einem Hochhaus vorbeigehen und die Hand auf die Klingeltafel legen - was wir früher als 10-Jährige gemacht haben - und dann klingelt's in 20 Wohnungen auf einmal." Verachtung der eigenen Kultur
Warum ist der Westen nur allzu gerne bereit, seine Werte und Errungenschaften aufzugeben? Das habe viel mit Selbstekel zu tun, meint Broder. So zeichnet sich das 20. Jahrhundert auch dadurch aus, dass die westlichen Intellektuellen ihre eigene Kultur zu hassen und zu verachten gelernt haben. Und spätestens seit Ende des Zweiten Weltkrieges gehört es zum common sense, die Fundamente unserer Zivilisation als Übel zu betrachten. Dazu komme, nach Meinung von Henryk Broder, dass die Intellektuellen die letzten 100 Jahre immer wieder für starke Führer geschwärmt hätten. Egal ob Mao oder Stalin, selbst der grausamste Irrsinn wurde noch mit schönen Worten verteidigt.

"Schwache Stubenhocker, also Menschen, die kaum imstande sind, zwei Nägel in die Wand zu hauen, haben eine große Zuneigung, eine Voraussympathie für Menschen, die ganz entschieden handeln, sich über alles hinwegsetzen und einfach Menschen der Tat sind", meint Broder. "Es gibt das Böse"
Laut Broder zeige sich in der Debatte rund um die Gefahren des Islamismus sehr deutlich, dass unsere westliche Zivilisation zu einer "Gesellschaft der Therapeuten" geworden ist. Bei jedem Verbrechen werde zuerst einmal gefragt, warum denn dies erfolgt sei. Nie ist der Mörder selbst schuld, immer haben die Umstände Schuld. Hätte man nur vorher interveniert und therapiert, dann wäre alles gut geworden. Hinter diesem Ansatz stecke aber nichts anderes, als die Weigerung, die Existenz des Bösen anzuerkennen.

"Ich bin manchmal erschrocken, dass bei dieser Debatte selbst überzeugte Agnostiker oder Atheisten wie ich am Ende doch bei der Theologie und bei der Erkenntnis landen: Es gibt das Böse", fällt Broder auf. "Fällt ein Böses in den Abgrund der Geschichte wie zum Beispiel der Kommunismus, taucht woanders ein anderes Böses auf. Das ist für rationale Menschen, die an die Aufklärung glauben, für Linke, für Liberale sehr schwer zu verstehen. Es gibt das Böse und das Böse ist mit therapeutischen Maßnahmen nicht aus der Welt zu schaffen." Gute Streitschrift
"Hurra, wir kapitulieren" ist eine Polemik. Scharf geschrieben, oftmals übertrieben formuliert. Und wie es sich für eine gute Streitschrift gehört, kommen die Argumente der Gegenseite zu kurz. Aber trotzdem ist Henryk Broders Buch ein wichtiger, ein guter Text. Er erinnert daran, auf welchen Überzeugungen die westliche Zivilisation fußt. Und er ist ein nachdrückliches Plädoyer dafür, diese Werte nicht aus Selbstekel und falsch verstandener Weltoffenheit zu opfern. Text: Gerhard Pretting/ORF Wien

»Das Patriarchat verkleidet sich als Islam«
Neuer Kopftuch-Streit in Deutschland?


? Frau Akgün, Sie haben islamischen Verbänden in Deutschland jüngst eine frauenfeindliche Haltung vorgeworfen. Millionen von Musliminnen trügen zum Beispiel das Kopftuch nur deshalb, weil Männer sie dazu zwängen. Warum diese Kampagne?

! Die Bild-Zeitung hatte verschiedene Frauen – darunter auch mich – angerufen, um zu fragen, was wir vom Kopftuch hielten. Das war keine von mir geplante Kampagne. Da ich aber zu dem Thema immer etwas gesagt habe, habe ich das auch diesmal getan.

? Was bringt eine solche öffentliche Frauen-Aktion? Die hat doch immer nur dasselbe Reaktionsmuster zur Folge: Männerdrohungen, Polizeischutz für die Wortführe¡Erinnen – und das Schweigen der Masse der Betroffenen.

! Natürlich gab es auch diesmal Drohungen von Männern. Aber es gab endlich auch deutliche Reaktionen der sogenannten schweigenden Masse. Ich habe sehr viele E-Mails, Anrufe und Briefe bekommen, in denen Frauen und Männer gesagt haben: »Gut, dass Ihr das öffentlich ausgesprochen habt! « Ich habe den Eindruck, gerade nach Wolfgang Schäubles Islamgipfel war unsere Aktion wichtig, denn da haben sich ja Vertreter islamischer Verbände vor lauter Demokratie- und Dialogbereitschaft geradezu überschlagen. Diese Glückseligkeit wurde unerträglich – und ist es noch! Wie verlogen sie ist, kann man daran sehen, dass es vor allem Männer waren, die üble Reaktionen auf unsere Äußerungen gezeigt haben. Der Islamrat und Milli Görüs zum Beispiel haben zusammen eine wirklich unverschämte Presseerklärung abgegeben. Und es gab Morddrohungen gegen Ekin Deligöz, Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, die das Kopftuch als patriarchales Machtinstrument gebrandmarkt hatte. Die muslimischen Verbände haben sich pflichtgemäß von den Drohungen distanziert. Mehr nicht.

? Das Patriarchat in allen Religionen arbeitet sich, so scheint es, gern am Frauenkörper ab. Der ist wahlweise unrein, mit zu vielen Reizen versehen oder einfach nur schwacher Abglanz des eigentlichen Körpers: desjenigen des Mannes. Können Aufrufe wie Ihrer das ändern?

! Ich bin nicht dazu da, die Denkmuster der Religionsgemeinschaften zu ändern. Von außen können wir da wenig tun. Veränderungen müssen von bekennenden Musliminnen in den Organisationen selbst eingeleitet werden. Das geschieht teils auch schon. Wir dürfen außerdem nicht den Fehler machen, von den muslimischen Organisationen in Deutschland auf den Islam zu schließen. Denn diese Organisationen sind aus der Not einer Minderheitensituation geboren. Die Frontmänner sind fast nie Theologen.

? Käme das Patriarchale denn weniger zum Tragen, wenn dort Theologen das Sagen hätten?

! Ich kann diese Frage, bezogen auf Deutschland, nicht sicher beantworten. Aber dort, wo der Islam die Chance hat, sich aus sich heraus zu verändern, da tut er das. Er braucht die Möglichkeit, eine lebendige Theologie zu entwickeln! An der theologischen Fakultät in Ankara läuft keine Professorin mit Kopftuch herum. Und sie sind in der Lage, ihre »Barhäuptigkeit« aus dem Koran heraus zu legitimieren.

? Eine Religion wird patriarchaler, je mehr sich ihre Vertreter in die Enge gedrängt fühlen?

! Das ist wohl so. Die Dekanin in Ankara sagte mir neulich bei meinem Besuch: »Auch in der Türkei gibt es radikale religiöse Kräfte. Aber durch uns gibt es ein Gegengewicht! Das scheint mir in Deutschland nicht der Fall zu sein.« Ich meine: Die islamischen Organisationen in Deutschland müssen sich fragen lassen, durch wen sie legitimiert sind. Da kamen jetzt zum Beispiel Protestbriefe auf meine Äußerung hin, in denen stand zu lesen: »Es gibt nur eine Wahrheit, und das ist meine Wahrheit!« Da zeigt sich das Patriarchat pur, das sich als Islam verkleidet. Wie soll man mit solchen Leuten debattieren?

? Haben Sie selbst mal Kopftuch getragen?

! Nein, nie. Meine Mutter hat kein Kopftuch getragen, meine Großmutter auch nicht. Aber ich sage: Selbstverständlich müssen es Frauen tragen dürfen. Nur: Sie müssen die Freiheit haben, selbst darüber zu entscheiden! Von diesem Zustand sind wir bei der Mehrheit der Musliminnen in Deutschland weit entfernt.


Britta Baas/Publik-Forum

Nachgefragt ... bei Lale Akgün. Die Bundestagsabgeordnete (SPD) und ausgebildete Psychologin ist verheiratet und hat eine 17-jährige Tochter. Für den März 2007 plant sie mit der Friedrich-Ebert-Stiftung einen internationalen Kongress zum Thema Islam und Feminismus in Köln

Jungle World 48 :: 29. November 2006

»Sie glorifizieren den Tod im Namen des Islam«
Daniel J. Goldhagen
Der US-amerikanische Politologe Daniel Jonah Goldhagen, der Geschichte an der Harvard University in Cambridge lehrt, löste vor zehn Jahren mit seinem Buch »Hitlers willige Vollstrecker« hitzige Debatten in Deutschland aus. Auch seine neuen Thesen zum politischen Islam sorgen für Aufregung. Über die Gemeinsamkeiten von Nationalismus und politischem Islam und darüber, warum die Europäer beim Kampf gegen diese Gefahr wenig Initiative zeigen, sprach mit ihm Kerstin Eschrich.

Sie vergleichen den politischen Islam mit dem Nationalsozialismus. Worin bestehen die Ähnlichkeiten?

Zum einen bedienen sich die politischen Islamisten der Sprache von Massenmördern. Sowohl ihre politischen als auch religiösen Führer heißen ausdrücklich den Genozid gut: Sie drohen Israel mit Vernichtung, sie sprechen davon, Millionen von Menschen, Millionen von Amerikanern zu töten. Das ist eine Gemeinsamkeit mit den Nationalsozialisten. Allerdings sprechen die politischen Islamisten offener und deutlicher aus, dass es ihr Wunsch ist, Menschen abzuschlachten. An diesem Punkt sind sie mehr Nazis als die Nazis. Zweitens werden die Vertreter des politischen Islam von einem Todeskult angetrieben, sie glorifizieren den Tod, das Töten und das Sterben im Namen des Islam. Dieser Kult hat keine Entsprechung in anderen bedeutenden politischen Bewegungen des letzten Jahrhunderts, nur im Nationalsozialismus und im kaiserlichen Japan.

Augenfällig ist auch, wie sehr der Antisemitismus der politischen Islamisten dem der Nationalsozialisten gleicht. In der Hamas-Charta etwa stehen Dinge, die direkt aus Nazi-Lehrbüchern stammen könnten. Ich war immer sehr vorsichtig dabei, den Begriff »Nationalsozialismus« für andere politische Bewegungen zu verwenden, aber ich bin davon überzeugt, dies ist der richtige Begriff für den politischen Islam.

Was verstehen Sie unter politischem Islam?

Es ist sehr wichtig, eine strikte Unterscheidung zwischen dem politischen Islam, der eine politische Bewegung ist, und andererseits dem Islam als Religion und Menschen, die Muslime sind, zu treffen. Es gibt viele Muslime, die die demokratischen Werte anerkennen. Sie betrachten ihren eigenen Glauben als private Angelegenheit. Die Vertreter des politischen Islam schicken sich dagegen an, ihr fundamentalistisches Verständnis des Islam anderen Menschen und Ländern aufzuzwingen. Sie beseitigen die Unterschiede zwischen Politik und Religion. Daher sprechen wir von einer politischen Bewegung, die ihrem Wesen nach totalitär ist und extrem radikal. Es handelt sich um eine politische Angelegenheit und nicht um ein soziales Problem.

Islamkritiker betonen, grausame Praktiken seien bereits im Koran angelegt.

Religionen können von den Menschen auf unterschiedliche Weise interpretiert werden. Wenn politische Islamisten den Islam so verstehen, dass er Massenmord vorschreibt, dann ist das ihr Verständnis. Wir sollten daher nicht davon ausgehen, dass dies dem Islam wirklich entspricht. Aber es ist zweifellos so, dass es im Islam und im Koran selbst Vorschriften gibt, die Beschreibungen liefern, wie Ungläubige gewalttätig behandelt werden sollten. Aber das ist nicht die Diskussion, an der ich interessiert bin. Denn ich glaube, wir machen einen großen Fehler, wenn wir uns auf den Islam konzentrieren und dadurch alle Muslime in ein Problem mit einbeziehen, an dem viele von ihnen keinen Anteil haben.

Alle Religionen sind fähig, sich selbst zu erneuern – auch das Christentum hat sich in den vergangenen Jahrhunderten enorm verändert. Und wir sollten solche Erneuerungen anregen, aber das ist eine andere Sache als die große Gefahr, die vom politischen Islam ausgeht.

Inwiefern wird diese Gefahr in Europa und den USA unterschiedlich wahrgenommen?

Es ist zunächst einmal wichtig zu betonen, dass die Vorstellung, es gebe einen »Clash of Civilisations«, falsch ist. Der Unterschied zwischen Europa und den USA besteht darin, dass viel mehr Amerikaner begreifen, dass es die politischen Islamisten sind, die sie in einen »Clash of Civilisations« hineinziehen wollen, dass sie es sind, die etwas derartiges heraufbeschwören. Sie wollen den Westen zurückdrängen und Israel zerstören, das sie als einen Außenposten des Westens, der europäischen und westlichen Zivilisation begreifen. Es gibt viel weniger Menschen in Europa, die erkennen, dass die politischen Islamisten nicht prinzipiell Israel zu ihrem Feind auserkoren haben, sondern den Westen, inklusive Europa.

Woran liegt es, dass in Europa diese Gefahr sehr viel distanzierter betrachtet wird?

Ich glaube, dass der politische Islam sehr geschickt darin ist, die Europäer davon zu überzeugen, dass sich seine Abneigung vor allem gegen die Existenz Israels richte, dass dies die Ursache der Wut sei. Es gibt viel mehr Menschen in Europa als in den USA, die dies als Erklärung akzeptieren. Das liegt daran, dass es in Europa mehr Feindschaft gegenüber Israel gibt und auch mehr Antisemitismus. Es ist außerdem zweifellos so, dass viele Europäer und die europäischen Regierungen Trittbrettfahrer der US-amerikanischen Sicherheitspolitik sind. Manchmal helfen sie den USA, Probleme zu beseitigen, aber oft verlassen sie sich darauf, dass die Amerikaner die Sache richten werden. Es gefällt ihnen häufig nicht, was die Amerikaner machen, aber im allgemeinen verlassen sie sich darauf und profitieren davon.

Wenn man davon ausgeht, dass der politische Islam mit dem Nationalsozialismus auf einer Stufe steht, welche Konsequenzen beinhaltet dies?

Ein Regime wie im Iran ist zu gefährlich, um Atomwaffen zu besitzen. Jetzt regiert dort Mahmoud Ahmadinejad, vor ihm war der angeblich moderate Hashemi Rafsanjani Präsident. Dieser hat gedroht, eine Atombombe auf Israel zu werfen. Er sagte, dies sei eine rationale Überlegung, denn mit einer einzigen Bombe werde Israel völlig zerstört, die arabische Welt aber höchstens verletzt. Ich denke, wenn der Iran Nuklearwaffen hätte, würde das Regime sie wahrscheinlich auch benutzen. Daher muss alles getan werden, um dies zu verhindern.

Außerdem müssen die Europäer begreifen, dass sich die Drohungen der politischen Islamisten auch gegen sie richten. Die Affären um die Mohammed-Karikaturen und die Rede von Papst Benedikt XVI. hatten rein gar nichts mit Israel oder den USA zu tun. Es waren die Dänen und der Papst, die überall bedroht wurden.

Die Europäer müssen einerseits die muslimischen Europäer integrieren und als Teil der deutschen und europäischen Gesellschaft akzeptieren. Andererseits müssen sie aber politische Islamisten in jeder Beziehung und zu jeder Zeit in Europa und in der Welt strikt zurückweisen.

Wie sollte das aber in Europa aussehen?

Man darf doch auch ansonsten nicht einfach jemanden bedrohen oder attackieren. Gegen die politischen Islamisten müssen die bestehenden Gesetze mit zero tolerance angewendet werden. Muslime und Nicht-Muslime müssen den politischen Islamisten klarmachen, dass die Mehrheitsgesellschaft nicht bereit ist, ihr Vorgehen zu tolerieren.

Zugleich müssen wir klarstellen, dass es sich nicht um einen Kampf mit dem Islam handelt oder mit Muslimen, sondern dass es nur um die politischen Islamisten geht, die die Werte der demokratischen Gesellschaft zerstören wollen und den Untergang des Westens anstreben. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die europäischen Staaten auf diese Weise mit dem Problem spielend fertig werden könnten. Das ist nicht so schwer.


Zum Thema Islam und Sklaverei:

DIE ZEIT
Wo anfangen? Wo aufhören?
Soll der Westen sich für die Sklaverei entschuldigen? Tony Blair jedenfalls hat es am vergangenen Montag nicht getan. Stattdessen sprach er sein „tiefstes Bedauern“ darüber aus, dass eine solch barbarische Praxis jemals möglich war

Von Jürgen Krönig

Soll der Westen sich für die Sklaverei entschuldigen? Tony Blair jedenfalls hat es am vergangenen Montag nicht getan. In seiner Erklärung zum 200. Jahrestag der Abschafferung der Sklaverei durch Großbritannien vermied er, ganz der Anwalt, das Wort „sorry“; stattdessen sprach er sein „tiefstes Bedauern“ darüber aus, dass eine solch barbarische Praxis jemals möglich war.

Dabei hat gerade Großbritannien während seines Aufstiegs zur führenden Weltmacht im 18. Jahrhundert von der Sklaverei profitiert. Sogar mehr noch als andere europäische Nationen wie Spanien, Portugal und Holland, die bereits früher in den Sklavenhandel eingestiegen waren.

Hafenstädte wie Liverpool, Bristol und London erblühten dank des Handels mit Millionen von Schwarzafrikanern, die auf die Plantagen der Karibik verfrachtet wurden. Es waren furchtbare Reisen, die häufig mit dem Tod endeten – von den elf Millionen Sklaven des transatlantischen Handels starben an die drei Millionen auf dem Transport. Die anderen schufteten ein miserables Leben lang auf den Ländereien der Plantagenbesitzer.

Doch dann war es Großbritannien, das mit der Abschaffung der Sklaverei begann. Es waren Quäker, Methodisten und Baptisten, die Ende des 18. Jahrhunderts den Widerstand gegen die Sklaverei organisierten. Der Kampf gegen die Sklaverei war die zivilisierende Mission schlechthin für das präviktorianische Zeitalter. Eine christlich motivierte Mission war dies; wichtig zu erwähnen, nachdem doch in früheren Zeiten das Christentum die Sklaverei lediglich gemildert, durchaus aber legitimiert hatte.

Die Protagonisten jener Jahre empfanden diese Mission als moralische Reinigung, die half, das alte, sündenhafte Selbst zu überwinden. Zugleich leiteten die Briten daraus einen Anspruch zu universaler, moralischer Führung ab, ein Anspruch, der noch heute nachklingt.

Das Empire verbot die Sklaverei 1807 und setzte dann auf dem Wiener Kongreß 1815 andere europäische Nationen unter Druck, dem britischen Beispiel zu folgen. Britische Kriegsschiffe sollten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entlang der Westküste Afrikas patrouillieren und Boote von Nationen aufbringen, die im zivilisatorischen Prozess noch nicht so weit vorangeschritten waren.

Die Kampagne gegen Sklaverei und Sklavenhandel gab dem Vereinigten Königreich Gelegenheit zu Einmischungen und Interventionen überall auf der Welt. Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit wurde das Eintreten für humanitäre Ziele zu einem Mittel der Außenpolitik.

Das sehend, muss man zu dem Schluss kommen: Eine förmliche Entschuldigung, wie sie seit vielen Jahren von schwarzen Pressure Groups in den USA und Großbritannien sowie Menschenrechtsgruppen gefordert wird, wäre nicht richtig. Wo anfangen, wo aufhören? Wie weit sollte man zurückgehen? Geschichte schreitet voran, Haltungen ändern sich, neue moralische Maßstäbe bilden sich heraus.

Hinter den Forderungen nach einer Entschuldigung steht oft nicht nur das Verlangen nach Reparationen. Es ist zugleich der Versuch, Geschichte zu verzerren, in eine ideologische Waffe zu verwandeln und „westliche Schuld“ anzuprangern. Es sei daran erinnert, dass die Europäer den Sklavenhandel nicht erfunden sondern übernommen und ihren Umfang dank überlegener maritimer Technologie im Volumen gesteigert hatten. Das macht das Unrecht nicht geringer, aber auch nicht größer als dasjenige der Erfinder der Sklaverei. Doch eben diese Europäer schafften das Unrecht auch wieder ab, ganz im Gegensatz zu anderen Kulturen, die diese zivilisatorische Sensibilität nicht oder noch nicht entwickelt haben.

Es waren Muslime aus dem arabischen Raum, die bereits über Jahrhunderte den Sklavenhandel organisiert hatten, im Zusammenspiel mit schwarzen Stammesführern und Händlern. Der Sudan war einer der großen Jagdgründe für schwarze Sklaven, Marokko und Ägypten bildeten die wichtigsten Umschlagplätze. Diese und andere Staaten haben nicht ihr „tiefes Bedauern“ über die Teilnahme am Menschenhandel zum Ausdruck gebracht. Bislang haben sich einzig Europäer und Amerikaner selbstkritisch mit dieser dunklen Phase in ihrer Geschichte auseinandergesetzt.

Die Sklaverei ist überdies kein Relikt der Vergangenheit. Sie lebt fort, zum Beispiel im Sudan, wo eine islamistische Regierung vor dem Angriff auf Darfur schwarzafrikanische Christen und Animisten im Süden des Landes mit Krieg überzog und Milizen viele dieser Menschen in Sklaverei verschleppten. Das sind die Wirklichkeiten, auf sie sollte sich die Aufmerksamkeit aller derjenigen konzentrieren, die sich über Rechtlosigkeit empören. Und nicht einer Vergangenheit, die längst überwunden ist.

Aus der Neuen Zürcher Zeitung:

In der Gewalt der Tradition
Wie vereinbar sind Islam und westliche Kultur? - In den skandinavischen Ländern wird ein Kulturkampf ausgetragen
Vor einem Jahr rückte die Krise um die Mohammed-Karikaturen Dänemark für einige Wochen in den Brennpunkt der Weltöffentlichkeit. Heute stellt sich die Frage, wie die Fronten der Debatte um Islam und Islamismus, Werte und Traditionen in Skandinavien verlaufen.
Von Aldo Keel
Vor sieben Jahren schreckte der dänische Demograph P. C. Matthiessen seine Landsleute auf. In «Jyllands-Posten» warnte er vor einem Wandel der Kultur und des Lebensstils. Schon 2020 würden 13,7 Prozent der Einwohner Dänemarks den autoritären Gesellschaften des Orients entstammen. Zurzeit sind es 5 Prozent. Während sich die Immigranten vergangener Zeiten, von den holländischen Bauern des 16. Jahrhunderts bis zu den Chilenen der siebziger Jahre, integrierten, stehe man jetzt Menschen gegenüber, die dänische Werte als Bedrohung ihrer Identität empfänden. Im Radio rief der Gelehrte die muslimischen Frauen zum «Aufruhr» gegen ihre Männer auf. Wer in Dänemark lebe, müsse die Gleichstellung der Geschlechter akzeptieren. Andernfalls drohe die Proletarisierung.
Von der Zerrissenheit der Heranwachsenden zwischen der patriarchalen Familienkultur des Elternhauses und skandinavischer Emanzipation erzählt in ihren Büchern die in Pakistan geborene Dänin Rushy Rashid. Der «Kampf der Kulturen» werde in den Familien ausgefochten, stellt der in Syrien geborene linksliberale Abgeordnete Naser Khader fest. Immer mehr Musliminnen wagten es, in Frauenzentren Zuflucht zu suchen, ausserdem steige die Zahl der Scheidungen stetig an. Weit verbreitet sei allerdings noch immer der Analphabetismus. Gemäss den Gesundheitsbehörden fehlt muslimischen Frauen oft auch das grundlegende Wissen über ihren Körper und ihre Sexualität. Daher setzte die Stadt rhus eine Aufklärungskampagne in Gang, und Kopenhagen engagierte ein Korps von sieben «Gesundheitsvermittlerinnen».
Expandierende muslimische Enklaven
In den Städten expandieren die muslimischen Enklaven. Im Kopenhagener Quartier Nørrebro kämpft die 1953 in Jordanien gegründete Organisation Hizb-ut-Tahrir gegen die Demokratie und für den Gottesstaat. Die Route der jährlichen Schwulenparade musste verlegt werden, und der Kopenhagener Imam Ahmed Akkari erklärte sich mit Bezug auf die Scharia mit der Todesstrafe für praktizierte Homosexualität einverstanden. In Oslo wiederum wurden in letzter Zeit wiederholt Homosexuelle von muslimischen Halbwüchsigen überfallen, was eine Debatte unter intellektuellen Muslimen auslöste. Der Osloer Rechtsanwalt Abid Q. Raja stellt in «Aftenposten» klar: «In nichtmuslimischen Ländern ist kein Raum für Gewalt gegen Homosexuelle.» Kritik müsse jedoch auch Muslimen erlaubt sein. Schliesslich könne man mit einer «unfeinen Homo-Rhetorik» sogar zum Bischof von Oslo aufsteigen.
In Rosengrd bei Malmö, Skandinaviens berüchtigtster Enklave, wohnen 22 000 Menschen in Betonblocks. 90 Prozent von ihnen sind Türken, Afghanen, Somalier und Araber. Die Hälfte der Bewohner ist unter achtzehn Jahre. Hier kann man ohne Berührung mit der schwedischen Gesellschaft leben, vom Sozialamt einmal abgesehen. Arabisch ist Schulsprache. In Herrgrden, einer Siedlung des Viertels, die 5000 Menschen beherbergt, gehen gerade 10 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer zwischen 20 und 64 Jahren einer Arbeit nach. «Die Religion regelt ihr ganzes Leben», schreibt der Soziologe Aje Carlbom, der drei Jahre in Rosengrd wohnte. Fabrikschliessungen hätten die schlecht ausgebildeten Muslime aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Die Religion vermittelt ihnen Stolz und Würde.
In Schweden leben 400 000 Muslime. Ein Rapport, den Professor Masoud Kamali aus Uppsala im Auftrag der abgelösten sozialdemokratischen Regierung verfasste, wirft deren Migrationspolitik «strukturellen Rassismus» vor. Sie habe «die Fremden» nicht als Ressource, sondern als Problem behandelt und erfolglos versucht, «Mängel zu beheben», statt «Bedürfnisse zu befriedigen». Kamali schlägt eine Reihe von Gegenmassnahmen vor. So sollten Bewohner «stigmatisierter Viertel» bei der Vergabe öffentlicher Arbeiten bevorzugt werden.
Grosszügige Asylpolitik
Andere Töne schlägt die neue Integrationsministerin Nyamko Sabuni, eine schwarze Muslimin, an, die muslimische Freischulen als potenzielle «Rekrutierungsbasen künftiger Selbstmordattentäter» bezeichnet. Sie will das Kopftuch für Mädchen unter fünfzehn verbieten und in den Schulen gynäkologische Checks durchführen, um Genitalverstümmelungen zu verhindern. «Die Mädchen mögen meinetwegen treue Ehegattinnen werden, aber zuvor sollten sie freie Frauen sein dürfen.» Dem multikulturellen Dogma, dass jede Kultur das Recht habe, ihre Prägung beizubehalten, widersprach die Sozialanthropologin Unni Wikan vor elf Jahren in dem Buch «Gegen eine neue norwegische Unterklasse». Frauen nichtwestlicher Herkunft blieben als Gefangene ihrer Sippen archaischen Lebensmustern verhaftet.
Trotz Schwedens grosszügiger Asylpolitik misslang den xenophoben Schwedendemokraten bei den jüngsten Wahlen mit 2,9 Prozent der Sprung in den Reichstag, während in Dänemark die nationalistische Volkspartei die drittstärkste Fraktion stellt und in Norwegen die populistische Fortschrittspartei in Umfragen mit 30 Prozent auftrumpft.
In Schweden gehört es zum guten Ton, über Ausländer nicht laut zu lästern. Ganz anders in Dänemark. Abgeordnete der Volkspartei, die im Parlament als Mehrheitsbeschafferin der Regierung wirkt, beschimpfen den Islam als «Terrororganisation», «Pest» und «Krebsgeschwür» und die dänischen Muslime als «Besatzungstruppe». Die Karikaturenkrise spitzte die Rhetorik nochmals zu. Ein Zeichner stellte in «Jyllands-Posten» den Propheten mit einer Bombe im Turban dar, auf der das islamische Glaubensbekenntnis zu lesen war. Das Blatt gab an, die Meinungsäusserungsfreiheit testen zu wollen. Um das Grundsätzliche zu betonen, erklärte Kulturredaktor Rose, er plane, in Zusammenarbeit mit einer iranischen Zeitung, Holocaust-Satiren zu drucken, worauf er vorübergehend freigestellt wurde.
Islam light?
Mit keinem Wort wurde der Karikaturenstreit von den Predigern des Islamic Center in Malmö erwähnt, einer Gemeinde, die einen Beitrag zur Integration leisten will. «Islam light», schimpft in Kopenhagen Abu Laban, der als Skandinaviens charismatischster Imam gilt. Aufgabe des Predigers sei es, der Gemeinde auch den politischen Kurs zu weisen, erklärte er der Zeitung «Sydsvenskan» und kündigte an, in Malmö seinerseits eine Moschee gründen zu wollen. Abu Laban, der seit zweiundzwanzig Jahren in Dänemark lebt, ohne Dänisch zu sprechen, lehnt Studiendarlehen ab, da der Islam Zinsen verbiete. Sex vor der Ehe sei ebenso verwerflich wie aufreizende Musik.
Dänischen Imamen wird oft Doppelzüngigkeit vorgeworfen. Auf dem Höhepunkt der Karikaturenkrise sagte Abu Laban zur Zeitung «Berlingske Tidende»: «Wir sind gegen ökonomischen Boykott und beklagen aufrichtig, dass es mit dieser Sache so weit gekommen ist.» Im TV-Kanal al- Jazira» verkündete er hingegen (laut «Berlingske Tidende»): «Wenn die muslimischen Länder einen Boykott beschliessen und wenn Muslime fühlen, dass es ihre Pflicht ist, den Propheten zu verteidigen, dann ist das ein Anlass zur Freude.» Ein anderer prominenter Geistlicher, Imam Ahmed Akkari, wurde von einem Fernsehteam mit versteckter Kamera beobachtet, wie er gegen den Abgeordneten Naser Khader eine Morddrohung ausstiess. Falls der Gründer der Vereinigung «Demokratische Muslime» «Minister für Ausländer und Integration würde, sollte man dann nicht zwei Burschen hinschicken, um ihn und sein Ministerium in die Luft zu sprengen». Gleichentags erklärte er dazu: «In Dänemark gibt es eine Tradition des Humors und des Sarkasmus, der Ironie und des Witzes, und ich habe oft und von vielen Seiten derartige Spässe gehört. Nicht nur von Muslimen.»
Im Bewusstsein vieler Dänen trugen die Imame die Hauptschuld an der Eskalation. Die Journalisten Seidenfaden und Larsen erklären jedoch in einer Monographie der Affäre, der Einfluss der dänischen Imame in den islamischen Ländern werde überschätzt. Die von Islamisten bedrängten Regime nutzten die «Verhöhnung des Propheten», um die Aufmerksamkeit auf Dänemark zu lenken und sich selbst als Verteidiger des Glaubens zu profilieren. Die Haltung des dänischen Premiers, elf Botschaftern islamischer Staaten das Gespräch zu verweigern, tat das Ihre.
Morddrohungen
Von den 200 000 dänischen Muslimen besuchen nur 10 000 regelmässig die Moschee. Für Naser Khader stellen die Traditionalisten jedoch eine ernsthafte Bedrohung dar. Khader beschreibt die dänischen Imame als orthodox. Oft hätten sie keine ordentliche theologische Ausbildung genossen, so sei Abu Laban ein Maschineningenieur. Nicht in Sicht sei der Reformator, der den Islam mit der Demokratie versöhne.
In den Moscheen wurde ein Flugblatt verteilt, das Naser Khader als «Ungläubigen» diffamiert. Wegen Morddrohungen benötigt er Polizeischutz. Als er im Wahlkampf zusammen mit anderen Politikern in einem Gymnasium debattierte, erhob sich plötzlich ein Zuhörer und sagte: «Du bist ein Verräter, weil du dich zur Wahl stellst. Muslime sollen sich nicht an der Demokratie beteiligen. Demokratie ist unislamisch, das einzige Gesetz, dem wir gehorchen, ist Gottes Gesetz.» Und schon standen zwanzig grimmige Gestalten in der Saaltür, worauf die Polizei die Politiker in Sicherheit brachte.
Der Auftritt der zornigen jungen Männer trug die Handschrift der Hizb-ut-Tahrir, die gegen die Integration der Muslime in das «gottlose Dänemark» kämpft. In manchen islamischen Staaten, aber auch in Deutschland und den Niederlanden, ist diese Organisation verboten, nicht aber in Dänemark. Als sie vor drei Jahren ein Flugblatt mit der Aufforderung «Tötet die Juden, wo immer ihr sie findet» in Umlauf brachte, wurde der Verantwortliche zu sechzig Tagen bedingter Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft sah aber keine Grundlage, um ein Verfahren für ein Vereinsverbot einzuleiten. Die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Im September wurde in Oslo die Synagoge beschossen. Aber auch muslimische Einrichtungen werden angegriffen. Kürzlich wurde auf das Lokal der Somalischen Vereinigung in rhus ein Anschlag verübt.
Jeder vierte Einwohner Oslos ist ein Einwanderer der ersten oder zweiten Generation, es dominieren die Pakistaner. 1971 kamen die ersten als Touristen ohne Rückflugticket. Hege Storhaug, eine Feministin, die zwei Jahre in Pakistan lebte und als Mitarbeiterin des Human Rights Service in Oslo mit dem Schicksal junger Musliminnen im Spannungsfeld der Kulturen vertraut ist, schildert die Heirat als Königsweg der Einwanderung. Für norwegische Pakistaner kämen ethnische Norweger als Ehepartner nicht in Betracht. Storhaug beruft sich auf eine Umfrage der norwegischen Botschaft in Islamabad, wonach 60 Prozent der Pakistaner, die 2004/05 ein Einreisegesuch zwecks Heirat stellten, ihr Ja-Wort einem Verwandten geben wollten. 68 Prozent sagten, dass die Heirat von den Familien ausgehandelt worden sei. Nur 3 Prozent nannten «Liebe» als Heiratsgrund. Sobald die Kinder - sie besitzen den norwegischen Pass - schulreif sind, werden sie nach Pakistan geschickt, wo sie eine feudalistische Erziehung erhalten und die Koranschule besuchen. Zu Beginn der 8. oder 9. Klasse kehren sie zurück. Viele verpassen dann den Anschluss in der Schule.
Problemverlagerung
Um die Zahl der Zwangsehen zu beschränken, führte Dänemark vor vier Jahren die bis in die Regierungsfraktionen hinein umstrittene Regel ein, dass die Ehepartner mindestens 24 Jahre alt sein müssen, um das Recht auf Nachzug des ausländischen Gatten zu haben. Die Ehen von Einwanderern mit Personen aus dem Ausland gingen daraufhin von 62,7 Prozent im Jahr 2002 auf 37,9 Prozent im Jahr 2005 zurück. Damit wurde das Problem aber nicht gelöst, sondern nur über den Öresund nach Malmö verlagert, wo viele betroffene Paare Wohnsitz nehmen. Immerhin konnte vor einigen Wochen im Beisein von zwei Ministern Dänemarks erster muslimischer Friedhof eingeweiht werden. In rhus soll eine Moschee gebaut werden, die die Muslime aus Kellern und Lagerhallen holt. In Oslo wurde im Frühling Skandinaviens grösste Moschee mit 2500 Gebetsplätzen und einem gläsernen Minarett eröffnet.
Vor vier Jahren erschütterte ein «Ehrenmord», dessen Opfer landesweit bekannt war, die schwedische Gesellschaft. Die Kurdin Fadime Sahindal hatte dem Kampf gegen die Zwangsehe ihr Gesicht gegeben. Für das Recht, den Mann zu heiraten, den sie liebte, war sie auf die Barrikaden gestiegen. Sie trat, vom Vater und von den Brüdern bedroht, in den Medien auf, aber auch vor Politikern. Die Polizei bot ihr einen neuen Namen und eine neue Identität an. Sie lehnte ab und wurde von ihrem Vater erschossen. Als Siebenjährige war Fadime Sahindal aus der Türkei nach Schweden gekommen. Zunächst ging alles gut, doch eines Tages durfte sie nicht mehr mit schwedischen Kindern spielen und an keinen Aktivitäten ausserhalb der Schule teilnehmen. Die Eltern verachteten den nordischen Lebensstil als unmoralisch. Als Ehemann präsentierten sie einen Cousin aus der Türkei. Nach dem Mord beschloss die Politik, Einrichtungen zu fördern, die «ehrenbezogener Gewalt» ausgesetzten Mädchen Zuflucht bieten. Neuerdings beobachten Sozialarbeiter und Polizei, dass junge Musliminnen zum Selbstmord gezwungen werden, um den Familien «Ehrenmord»-Prozesse zu ersparen. Die Opfer heissen «Balkonmädchen».
Keine Sonderregeln
In einem Manifest, das diesen Herbst die dänischen Sachbuch-Charts anführte, wenden sich die frühere Sozialministerin Jespersen und ihr Genosse Pittelkow vehement gegen die Erfüllung von Sonderwünschen wie spezielle Öffnungszeiten von Freizeitklubs für Mädchen, Freistellung vom Zeichen- und Musikunterricht, vom Sport oder von Schulfesten. Meistens schränkten Sonderregeln die Entfaltungsmöglichkeiten der Mädchen ein. Der Staat dürfe die integrationswilligen, doch dem Druck der Familie ausgesetzten jungen Musliminnen nicht im Stich lassen. Als ein Kopenhagener Gymnasium das Freitagsgebet einführte, wurden muslimische Schüler, die sich nicht beteiligen wollten, von ihren radikalen Kollegen schikaniert. Als dann Abu Labans halbwüchsiger Sohn als Prediger auftrat und die Demokratie angriff, die Gemeinde zur Vernichtung Israels aufrief und zum Besuch der Hizb-ut- Tahrir einlud, wurde die Gebetsstunde wieder vom Stundenplan gestrichen.
Schlecht beraten war Norwegens konservative Innenministerin Solberg, als sie vor zwei Jahren Qazi Hussain Ahmad, den Führer der einflussreichsten religiösen Partei Pakistans, Jamaat-e-Islami, und Gegenspieler Präsident Musharrafs, mit einer Demutsgeste pakistanischer Frauen begrüsste. Der demokratische Staat bezuschusst den norwegischen Zweig von Ahmads Bewegung, die Gemeinde Islamic Cultural Centre in Oslo, die 2000 Mitglieder zählt. Vom pakistanischen Milieu wurde der Politiker wie ein Held empfangen, doch artikulierten sich auch kritische Stimmen. In Pakistan werden jährlich rund tausend «Ehrenmorde» verzeichnet.
Ahmad befürwortet, wie Amnesty International Norwegen schreibt, die Todesstrafe für Blasphemie und ausserehelichen Sex. Die Kritik Amnestys an der islamischen Gesetzgebung, die die gerichtliche Untersuchung einer Vergewaltigung nur zulässt, wenn die Frau vier männliche Zeugen benennt, andernfalls sie selber eine Anklage wegen illegalen Sexes riskiert, wies Ahmad als «Mangel an Respekt» zurück. Die Frage, ob es mit Pakistans internationalen Verpflichtungen vereinbar sei, dass Mädchen zum Tod durch Steinigung verurteilt werden können, tat er unwirsch als «Detail» ab. «Weshalb» - fragte er zurück - «beschäftigen Sie sich mit der Lage der Frauen in Pakistan, wenn in Kaschmir, Palästina und im Irak Menschen sterben?» Kürzlich gab Pakistan - gegen den lauten Protest der religiösen Parteien - dem internationalen Druck nach. In Zukunft soll Vergewaltigung nicht mehr der Scharia, sondern dem Strafrecht unterstellt sein.


Um das eigene realitätsfremde Weltbild nicht korrigieren zu müssen, lehnen es auch in Deutschland nicht wenige "politisch Korrekte" direkt infantil ab, soziokulturelle Unterschiede auch nur zur Kenntnis zu nehmen und sich etwa durch Studienreisen in bestimmte Länder einen realitätsnäheren Eindruck zu verschaffen.


DIE ZEIT

Verschleierte Flucht

Frauen in Burkas werden in Großbritannien aus Gründen der Political Correctness nicht kontrolliert. Ein Bankräuber nutzte das aus.

Von Jürgen Krönig

In Großbritannien wird derzeit eine heftige Debatte über die Grenzen der Political Correctness geführt. Auslöser sind die jetzt erst bekannt gewordenen Umstände einer Flucht, die bereits ein Jahr zurückliegt. Kurz vor Weihnachten 2005 überfiel der 26-jährigen Somali Mustafa Jama gemeinsam mit anderen eine Bank in Bradford. Dabei wurde eine unbewaffnete Polizistin erschossen und eine andere schwer verletzt. Vier Mittäter wurden gefasst. Jama aber konnte fliehen.


Dabei stand er ganz oben auf der Fahndungsliste der Polizei; sein Bild war an alle Grenzübergänge, Flughäfen und Häfen herausgegangen. Eigentlich, so sollte man meinen, hätte es ihm nicht gelingen dürfen, das Land zu verlassen. Doch ein Niqab, die Vollverschleierung, die nur einen Augenschlitz freilässt, sowie der Pass seiner Schwester machten die Flucht möglich. Kein Grenzbeamter wagte es, die Identität der Person zu überprüfen und den Schleier zu lüften. Ansonsten wäre Mustafa Jama sofort erkannt und verhaftet worden. Aber die Angst, gegen das ungeschriebene Gebot politischer Korrektheit zu verstoßen und muslimische Sensibilitäten zu verletzen, obsiegte.


Solches Verhalten ist weit verbreitet und kann bei den Kontrollen an britischen Flughäfen tagtäglich beobachtet werden: Lieber wird bei Sicherheitskontrollen eine ältere weiße Frau abgetastet, als dass das Sicherheitspersonal eine verschleierte Muslimin überprüft. Der Mörder konnte genau dieses Verhalten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einkalkulieren. Viele vor ihm dürften politische und religiöse Korrektheit auf ähnliche Weise genutzt haben.


Bezeichnend auch die sonstigen Umstände des Falls. Mustafa Jama und sein Kumpan hatten Asyl in Großbritannien beantragt. Das wurde abgelehnt, doch verzichteten die Behörden darauf, die beiden Männer in ihre Heimat abzuschieben; der Menschenrechtsanwalt, der sie vertrat, nutzte wie so oft in solchen Fällen erfolgreich das Argument, in Somalia sei ihr Leben gefährdet. Bei der Aufenthaltserlaubnis blieb es selbst dann, als die beiden Männer wiederholt wegen Raubüberfällen ins Gefängnis wanderten. Nun genießt Mustafa Jama seine Freiheit in eben diesem Land, das als zu gefährlich galt, um ihn dorthin abzuschieben.


Die Debatte über den Schleier, die ein Minister der Regierung Blair vor drei Monaten lostrat, zielte auf die unbestreitbare Tatsache, dass Niqab und Burka ein „Zeichen der Trennung“ darstellten, die Gräben in der Gesellschaft vertieften und Integration verhinderten. Es ist bezeichnend, dass selbst solch ein offenkundig stimmiges Argument in manchen Milieus nach wie vor auf Ablehnung stößt. Nun gesellt sich ein sicherheitspolitisches Argument hinzu, dem ebenfalls schwer zu widersprechen ist. Doch man darf sicher davon ausgehen, dass sich auch dagegen Widerstand formieren wird.


Irgendwie schade, daß zu viele ihre Realitätsfremdheit kultivieren, anstatt einfach mal, wie früher weithin üblich, in jene Länder, jene Regionen zu Studienaufenthalten zu fahren, in denen sich die interessanten, aussagekräftigen Dinge abspielen, sich interessante soziokulturelle Vergleiche anstellen lassen.

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»Natürlich trauen wir ihnen nicht«
Unabhängige Frauenbewegung in Palästina pflegt Kontakte zu Hamas-Frauen. Trotz Ablehnung der Politik von Hamas scharfe Kritik an EU-Boykott. Ein Gespräch mit der Feministin Amal Chreische
Armin Köhli
Amal Chreische ist Direktorin der Palestinian Working Women Society for Development, die unter anderem Frauen Unterstützung bietet, die mit Gewalt und Diskriminierung konfrontiert sind. Sie kandidierte bei der Parlamentswahl auf der Liste al-Mubadara von Mustafa Barghouthi.
Ist es für Sie schwierig, gleichzeitig Feministin und Nationalistin zu sein?


Wenn ich über die Souveränität eines palästinensischen Staates und über garantierte Grenzen spreche, dann kann ich das nicht trennen von meinen eigenen Grenzen als Frau. Wenn ich für den palästinensischen Staat und gegen die israelische Besetzung kämpfe, dann kämpfe ich gleichzeitig für meine eigene Souveränität. Deshalb kämpfe ich gegen jede Form von Gewalt.
Es ist nun ein Jahr her, seit die islamisch-konservative Hamas die Mehrheit im Parlament gewonnen hat. Ist die Gesellschaft rückschrittlicher geworden?


Augenfällige Veränderungen gibt es nicht. Die Hamas hatte nicht genug Zeit dafür. Die wichtigsten Ministerien sind immer noch von der Fatah dominiert, die die hohen Beamten stellt. Für die Hamas war es selber ein Schock, so viele Sitze im Parlament zu gewinnen.

Die Hamas-Politiker reden über den Islamisierungsprozeß, den sie prioritär behandeln. Sie werden keine Gewalt anwenden, um die Frauen zu zwingen, Kopftücher zu tragen oder ins Haus zurückzukehren. Sie sind sehr pragmatisch, und sie benutzen die gleiche Terminologie wie die säkularen Gruppen: Sie sprechen von Gleichberechtigung, von Entwicklung, von Demokratie.
Trauen Sie ihnen nicht?


Natürlich nicht. Als wir begonnen haben, mit ihnen für die Entwicklung eines Abkommens über die Anerkennung der Frauen zusammenzuarbeiten, sagten wir, es sei wichtig, über die Deklaration der Menschenrechte zu reden. Für uns ist auch die sehr säkular abgefaßte palästinensische Unabhängigkeitserklärung wesentlich und das palästinensische Grundrecht, das als eine Art Verfassung betrachtet wird. Da kam es zu großen Differenzen. Die Hamas glaubt nicht an Gleichheit, sondern an die ergänzende Rolle von Mann und Frau nach göttlicher Vorgabe. Ihre Politiker wollen die Frauen zu Hause haben, sie versuchen, ihren Raum in der Öffentlichkeit einzuschränken.
Wie tun sie das konkret?


Egal, worüber sie sprechen: Sie finden einen Weg, die palästinensische Frauenbewegung zu beschuldigen. Sie behaupten, wir wollten die palästinensische Familie, die Kultur zerstören. Und Familie hat hier eine beinahe heilige Bedeutung. Es gibt auch suggestive Herrschaft. Der Kulturminister etwa benutzt seine Macht und sagt zu den Angestellten: »Ah, sehr gut, Sie tragen ein Kopftuch. Und Sie, wann werden Sie auch eins tragen? Ich hoffe, daß Sie Ihren Weg finden.« Das ist Machtmißbrauch. Wir sagten also zu den Hamas-Frauen: Schaut, wir können uns im Kampf gegen die israelische Besetzung abstimmen, wir können dort zusammenarbeiten, wo wir alle als Frauen betroffen sind.
Sie arbeiten also mit den Frauen der Hamas zusammen, nicht mit den Männern?


Ja. Etwa mit der Ministerin für Frauenangelegenheiten. Bei vielen Themen haben wir eine gemeinsame Basis. Doch wenn es um das Recht der Frauen auf Arbeit geht, um die gerechte Vertretung der Frauen, um die persönlichen Rechte, wird es schwierig.
Was halten Sie vom internationalen Boykott gegen die Hamas-Regierung?


Für uns ist es schwer, die europäische Haltung zu verstehen. Sie sprechen über Demokratie, über Menschenrechte. Und dann wollen sie die algerische Erfahrung wiederholen? Als die islamistischen Gruppen in Algerien die Wahlen gewannen, wurde die Demokratie plötzlich ignoriert, man wollte den Islamisten die Macht nicht überlassen, und das führte zum Bürgerkrieg. Die Europäer wissen doch, daß das auch in unserer Situation zum Bürgerkrieg führt.

Für uns Frauen ist es ein zentrales Anliegen, daß eine Regierung der Nationalen Einheit gebildet wird. So können wir auch dem internationalen Boykott etwas entgegensetzen.
Wenn es zur vorgezogenen Parlamentswahl kommt, die Präsident Mahmud Abbas angekündigt hat – wie wird sie ausgehen?


Selbst wenn die Leute seit neun Monaten kaum mehr Lohn erhalten haben – tief im Inneren wissen sie, daß das nicht der Fehler der Hamas ist. Viele sind nicht für das politische Programm der Hamas, sondern wollten bei der Wahl nur die Fatah bestrafen. Nun sehen sie, daß das ein Fehler war. Dennoch bin ich nicht sicher, daß die Hamas abgewählt wird, wenn wir wirklich vorgezogene Wahlen haben. Sie wurde mächtig, weil der Friedensprozeß gescheitert ist. Wenn die Menschen frustriert sind, wenn Leute im Namen des Friedens getötet werden, wenn Land konfisziert wird, wenn die Apartheidmauer auf palästinensischem Land gebaut wird, dann wollen die Leute etwas anderes.
Gekürzte Fassung eines Interviews, das am 21. Dezember in der linken Schweizer Zeitung WOZ – Die Wochenzeitung erschienen ist (www.woz.ch)





Klaus | 09.11.06 23:39 | Permalink

Kommentare

Eghmm ... und Zitate aus der Bibel bzw. die "Frauenfreundlichen" Vorstellungen von Polnischen, Spanischen oder Bayerischen WalfahrtsgängerInnen sind dann für Dich wohl n' Grund dafür das die Katholische Kirche keine weiteren Kapellen in Charlottenburg und Wilmersdorf mehr aufstellen darf, und alle Katholischen Kirchen geschlossen werden müssen, weil das darin verkörperte Frauenbild als ein Direkt-Import aus Teheran, -ups! Entschuldigung- aus Rom meine ich, gewertet werden könnte, oder wie?

Ich glaube um das Frauenbild geht es hier gar nicht. Es ist kein Problem der Religion, weder der Katholischen noch der Ahmadiyya-Gemeinde, sondern des Patriarchalismus und menschlicher Vorstellungen, die sich an die Landes- oder Kulturgrenzen nicht halten.

Warum gilt der Vorwurf aber eigentlich nur für die Ahmadiyya-Gemeinde? Aus meiner Sicht eher ein Anzeichen für Double Standards. Die Frau spielt auch in dem Aufgeklärten Deutschland doch nur die Rolle eines nützlichen Objektes, die MAN hervorkramen kann, wenn es einem grade politisch nützlich ist.

Fügt sich gut hinein in den Diskurs vom "Ende der Toleranzgesellschaft". Erst musst lange gekämpft werden um Deutschland als Ein2wanderungsland bezeichnen zu können. Ohne viel Mühe übergab man/frau den Rechten die sozi-kulturelle Definitions-Macht. So konnte die CDU, zwar den Begriff Einwanderungsgesellschaft runter schlucken aber "wenn DIE Ausländer herkommen, dann sollen sie sich an UNSERE Gesetze halten". Nur sind die hier geltenden Gesetze genauso patriarchalisch wie anderswo. Integration in UNSERE Gesellschaft ist nichts mehr als ein Kampfbegriff, den Integrieren ist in dieser rassistischen Gesellschaft nicht Möglich. Es ist eine Keule mit der auf die hier lebenden Ausländer eingedroschen werden kann. Die Aufgeklärte Gesellschaft kann so paradoxerweise die repressiven patriarchalischen Strukturen bewahren und sich dabei als Gegenstück zu der nicht-aufgeklärten „Dritten Welt“ in Szene setzte. Neokolonialismus heißt dann Aufklärung und Rassismus Integration. Auf diese Errungenschaften können wir ja schön stolz sein.

Verfasst von: Michal Stachura | 10.11.06 13:02

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