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Spannung Leistung Widerstand - Magnetbanduntergrund DDR 1979-1989

Unter diesem Titel erscheint in Kürze eine Zonic-Spezialausgabe inkl. Doppel-CD.
Herausgegeben von Alexander Pehlemann & Ronald Galenza und die CDs kompiliert von Bert Papenfuß, Bo Kondren, Bernd Jestram und Ronald Lippok.

Der alte Osten war eine Transformationsgesellschaft. Aus nichts wurde wenig, aber immer wurden alle Pläne übererfüllt. Der VEB Einzelhandel verhökerte marode Technik ans willige Völkchen. Kultur war da der Transmissionsriemen, der die Nischen weitete. Nach Punk, Anfang der Achtziger, machten sich einige Sound-Enthusiasten auf, neue Wege übers Land zu gehen. Der terminus technicus war in der DDR ein ungewisser, gezeichnet von Mangel und Begeisterung. In der DDR stagnierte Mitte der Achtziger eigentlich schon alles. Die Wirtschaft erodierte, das Volk salutierte oder marodierte. Dieser Teil der subkulturellen Szene der DDR begab sich in synergetisch-synästhetisch wechselwirkende Prozesse voller Ungewissheit. Sie hatten sich von diesem Staat längst innerlich verabschiedet. Also: Stecker rein! Mit einer großen Party wird nun – siebzehn bis siebenundzwanzig Jahre später – das Erscheinen eines Buches samt beiliegender CD begangen, das ein weitgehend unerforschtes Terrain des ostdeutschen Underground vorstellt: die unabhängige Tapekultur in der ehemaligen DDR. »Spannung, Leistung, Widerstand« präsentiert aus Hunderten alter Kassettenaufnahmen ausgewählte Stücke, deren stilistische Bandbreite vom Avant Punk über intellektuell kühle New Wave bis zu elektronischen Experimenten oder Dub reicht. In zahlreichen Texten und Interviews kommen die Akteure einer Wohnzimmer-Avantgarde zu Wort, die junge Punks, bildende Künstler und Lyriker umfasste. Die so dokumentierte Kultur ist Resultat von Wechselwirkungen. Bedingt durch die Enge im vielfach begrenzenden System der DDR. Entstanden ohne ökonomische Zweckausrichtung und Produktbewusstsein, als Kommunikationsmittel oder als kreativer Existenzbeweis. Nachgezeichnet werden untergründige Gegenströmungen von hoher Eigenwilligkeit, die auch heute noch durch verwegenen Charme und Widerborstigkeit beeindrucken, und deren Spuren in der Musik von so unterschiedlichen Protagonisten wie Tarwater, To Rococo Rot, Frank Bretschneider und Carsten Nicolai und ihr Elektroniklabel Raster-Noton bis hin zu Rammstein hörbar sind.

Das Projekt ZONIC-Spezial "Spannung. Leistung. Widerstand. Mangnetbanduntergrund DDR 1979 - 1990" wird gefördert durch den Fond Neue Länder der Kulturstiftung des Bundes.

Buchpräsentation:
Volksbühne Berlin
Am 22.September im Großen Haus, Sternfoyer, Roten Salon, Weißen und Schwarzen Foyer
Ab 20 Uhr
Mendelsson, Bolschewistische Kurkapelle, Stuhlgeist, Ornament & Verbrechen, Freunde der italienischen Oper, Conny Bauer, Flake, Trötsch, Aufruhr zur Liebe, Denzel & Huhn, Die Gehirne, Knut Baltz Formation, Signal, Herbst in Peking, Hans Schulze, Kunstkopf, Robert Linke, Ronald Galenza, Alex Pehlemann, Henryk Gericke, Dirk Teschner, Thomas Rössler.
Die Moderation übernehmen Peter Wawerzinek, Christoph Tannert und Bert Papenfuß.

Inhaltsverzeichnis:
Vorwort - Ende. Rewind. Play.
Runder Tisch - Die Absurdität der realen Existenz
Ronald Galenza - Daten-Dandys und Tape-Täter
Christoph Tannert - Die Ambivalenz des Kunst-Punks
Peter Wawerzinek - Das Desinteresse
Sascha Anderson - Zwitschermaschine
Thomas Roesler - ICHs Apokalyptus
Wolfram „Wollo“ Ehrhardt - Der Demokratische Konsum oder: Die Kunst der Selbstdarstellung
Andrea Hübner / Karen Matting - 3tot
Taymur Streng - Die Wärme der Maschinen
Trötsch - Gelötet & Gemacht & Getan
Christian „Flake“ Lorenz - Das gemeine Reitbein
Bo Kondren - Freie Zeit & freies Feld
Bert Papenfuß - aufruhr zur liebe im mittelpunkt der erde
Bert Papenfuß - Fratelli Lippok - The Story of Ornament & Verbrechen
Robert & Ronald Lippok - Fratelli Lippok im Erinnerungszwiegespräch
Leonard Lorek - Poesie. Akademie. Prosodie. Alles was knirscht
Frank Bretschneide - KlangFarBen von der Peripherie
Mario Mentrup - Argghhurghhähhhrghh
Wolfgang Müller - Kann maN etWas mACHen, was nicht Musik ist?
Alfred Hilsberg - Mit ZickZack in der „Zone“ oder: warum was nicht funktionieren konnte

Zonic wurde als klassisches Do-it-yourself-Fanzine 1993 in Greifswald gegründet, wo es unter Schirmherrschaft der Pommerschen Literaturgesellschaft Pom-lit.de noch immer erscheint, und hat sich zu einem der eigenständigsten bzw. eigenwilligsten (Sub-)Kulturmagazine Deutschlands entwickelt. Dem Untertitel „Kulturelle Randstandsblicke &Involvierungsmomente“ folgend, werden hier zwischen Musik unterschiedlichster Stilistik, Literatur und Kunst sowie Sozialem oft vernachlässigte Themen in auf mediale Entschleunigung und Konzentration abhebende Art behandelt. Eines der Hauptbetrachtungsfelder sind die kulturellen Szenerien Osteuropas, die in allen Ausgaben mit ausführlichen Specials gewürdigt wurden. Das Thema DDR-Untergrund wurde im Zonic mehrfach aufgegriffen und die Kooperation mit Bert Papenfuß, der Mitglied der Redaktion ist, Ronald Galenza und Christoph Tannert, die regelmäßig Artikel liefern, sowie Ronald Lippok und Bernd Jestram von Tarwater, die zum Heft 13,5 eine exklusive Vertonung des Papenfuß-Gedichts „Muspilli Spezial“ beitrugen, ist bereits eine langjährig bewährte.

ZickZack/ What's So Funny About ist das ideale Label für diese Compilation, da es zum einen zu DDR-Zeiten potentieller Ort von Veröffentlichungen war, was leider nicht zustande kam, und zum anderen nach der Wiedervereinung sich als einziges Indie-Label (West)Deutschlands neben Zensor mit dem musikalischen Untergrund der Ex-DDR beschäftigt hat und frühzeitig Bands wie Ornament & Verbrechen oder Sandow sowie eine Werkschau der Freunde der Italienischen Oper veröffentlichte. In diesem Zusammenhang ist zudem eine Weiterführung der Zusammenarbeit mit dem Magazin Zonic geplant zur Aufarbeitung der osteuropäischen Sub- bzw. Gegenkultur der 80er.

Der Verbrecher Verlag ist ein rühriger Verlag in Berlin.

192 Seiten, Klappenbroschur
Preis: 29,90 € / 55 SFr(unverb. Preisempfehlung)
ISBN: 978-3-935843-76-3
Das Buch erscheint im September als Kooperationsprojekt zwischen Verbrecher Verlag, Zonic und ZickZack/Indigo und ist im Platten- und Buchhandel zu beziehen

natter | 05.09.06 20:10 | Permalink

Kommentare

leider hat eine kleine gemeinschaft sich selber gefeiert und sich zur avantgarde gekürt und dabei vergessen dass es hunderte andere projekte gab die in ihrer subversität viel weiter gestreut haben als die kleine prenzlauer berg klicke.

sie wissen es und haben trotzdem ihrem kleinen klüngel ein denkmal gebaut. die leistung vieler nicht genannter mit ihrem mainstream-egotrip verschwinden lassen und damit die rezeption des ddr-undergrounds beendet. schade. sagt aber alles über die macher.

Verfasst von: kritiker | 06.01.07 01:33

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