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Der Manager

Um in einer großen deutschen Bank als Ostdeutscher in eine leitende Position zu gelangen, muss man schon ganz besondere Qualifikationen vorweisen können. Matthias Warnig, mit nicht ganz 50 Jahren heute einer der mächtigsten ausländischen Banker in Rußland, konnte das offensichtlich. Bevor er Chef der dortigen Dresdner Bank-
Dependance wurde, war er in der DDR Hauptamtlicher Mitarbeiter der Abteilung XV im Sektor Wissenschaft und Technik der HVA. Jahresgehalt 25.680 Ostmark. Dieser Bereich der DDR-Auslandaufklärung war für die Wirtschaftsspionage im Westen zuständig.

Image from Lenta.ru
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Schon kurz nach der Wende, 1990, als vielerorts noch naiv über die Vergangenheit der DDR-Eliten gestritten wurde, ging Matthias Warnig zur Dresdner Bank. Schnell vergessen war die antikapitalistische Kinderstube. Der Aufbau des Bankgeschäfts in Rußland wurde sein neue Job.

Die Personalentscheidung der Dresdner Bank machte sich bezahlt. "Warnig wurde von uns damals nach Russland geschickt, um für die Dresdner Bank eine Banklizenz zu beschaffen." äußerte ein früherer hochrangiger Manager der Dresdner Bank gegenüber manager-magazin.de. Ex-MfS-Major Warnig war erfolgreich. Er besorgte die Lizenz. Das amerikanische Wall Street Journal (WSJ) behauptet nun, dass die guten persönlichen Kontakte Warnings zu Putin, der damals stellvertretender Oberbürgermeister von St. Petersburg war, die Vergabe der Lizenz begünstigt hätte. Putin war in den achtziger Jahren für die sowjetische Aufklärung von Dresden aus tätig. Laut WJS hätten die beiden Geheimdienstler seit damals Kontakt miteinander gehabt.

Mit der Ernennung Putins 1999 zum Premierminister wäre dieser Kontakt erst richtig wertvoll geworden. Es heißt, Warnig sei der "Türöffner" für die Dresdner Bank gewesen.

Beim Stasi-Outing ist oft der Zeitpunkt der Veröffentlichung interssanter als die Veröffentlichung selbst.

Laut Information aus dem Umfeld der Dresdner Bank wäre die MfS-Vergangenheit Warnigs schon seit über zehn Jahren bekann. Es hätte zwar ein Ermittlungsverfahren des Bundeskriminalamtes gegeben, der Generalbundesanwalt stelle jedoch die Ermittlungen ergebnislos ein. Verbindungen zu Putin vor 1991 werden wehement bestritten.

Indizien deuten darauf hin das es möglicherweise andere Gründe für die Veröffentlichungen zum jetzigen Zeitpunkt gibt.

2003 hat eine Tochter der Dresdner Bank, die Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), für den staatlichen russischen Gaskonzern Gazprommit 1,75 Milliarden Dollar Kapital besorgt. Das war die größte jemals vergebene Anleihe eines Unternehmens aus einem Schwellenland.

2004 war DrKW im Auftrag des russischen Justizministerium an der Versteigerung der Yukos-Tochter Yuganskneftegaz beteiligt und betreute die Fusion von Gazprom mit Rosneft. Konkurrenten beschwerten sich laut "WSJ", dass es keine faire Ausschreibung für die Aufträge gegeben habe.

Offensichtlich ist da also jemand sauer.
Warning soll demnächst in den Aufsichtsrat von Gazprom berufen werden.

Quellen:
http://www.mosnews.com/news/2005/02/24/stasi.shtml
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,343332,00.html

A.S.H. | 25.02.05 23:04 | Permalink

Kommentare

interessant, aber nicht überraschend: der alte stasi-dreck lässt sich`s sehr gut gehen - und das nicht nur in moskau! man muss sich hier nur die sed-pds-lonkspartei anschauen.

Verfasst von: hunter | 10.12.05 15:27

Warnig ist heute Geschäftsführer der Nord Stream AG, die die Ostseepipeline baut.
Siehe http://www.nord-stream.de/ger/company/management/

Verfasst von: Gnu | 04.06.07 14:42

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